Einmal Kandidatin bei GNTM sein – sieht man den Ehrgeiz, die Tränen und die Aufregung der Mädchen, muss das wirklich der ultimative Start in ein Leben voller Ruhm, schicken Klamotten, tollen Locations und berühmten Leuten sein – eine nie enden wollende Party. Um sie herum Stylisten, Make-up-Artisten, die verständnisvolle, aber professionell strenge Mutti Heidi und zwei Juroren, die nur „das Beste“ aus „ihren“ Mädchen heraus holen wollen.

Eine Priese Realität kann nicht schaden.

Ein bisschen „echtes Leben“ ist natürlich auch dabei, wenn die Mädchen demnächst in die Kunden-Castings müssen, um einen der begehrten Jobs zu ergattern. Wieder wird gekreischt und geweint als ginge es um den Weltfrieden, anstelle eines Fotos für die nächste Runde, das mit großem Tamtam von Heidi am Ende einer Show überreicht wird. Halleluja.

Wenn es endlich zur Sache geht.

Für die Zuschauer wird´s richtig gut, wenn die Mädchen sich im Lauf der Show etwas besser kennenlernen. Dann endlich kommen die Schlagzeilen, die für die Quote sorgen: „Zicken-Zoff bei GNTM“, „Laura dreht völlig durch“, „Jennifer meckert sich ins Aus“. Der unglaublich dämliche Freund der letzten Gewinnerin durfte gerade sogar ins Dschungelcamp! Von ihr hat man leider nie wieder etwas gehört. Unvergessen allerdings Darya! Keine konnte besser lästern und hetzen, keine hat einen größeren Shitstorm entfacht und kein Abgang wurde von Zuschauern, Kandidatinnen und Juroren so dermaßen gefeiert. Mehr als ein Jahr nach ihrem Ausscheiden in 2015 war sie Pro Sieben noch eine Berichterstattung wert: „Was macht GNTM-Darya heute“. Respekt. Nach Lena Gercke – die einzige, tatsächlich erfolgreiche Kandidatin aus bisher 11 Staffeln – wird dies wohl einer der erfolgreichsten Auftritte gewesen sein, zumindest was die Anzahl der Schlagzeilen in der Presse angeht.

Quote, Quote und nochmal Quote

Respekt auch für die Produktionsfirma, die treffsicher Kandidatinnen zusammenstellt, die genau diese Schlagzeilen liefern: mindestens eine Super-Zicke (besser drei), eine Heulsuse, eine Alles-Versteherin. Dazu alles Durchgedrehte, was möglichst großen Zündstoff für die Truppe liefert, abgesehen von ein paar nett anzusehenden Typen – schließlich braucht es auch ausreichend Material zum wöchentlichen Aussortieren. Oder hat jemand ernsthaft geglaubt, dass hier irgendein Abgang nicht vorher generalstabsmäßig geplant wurde? GNTM ist Werbepartnern verpflichtet und muss Quote bringen. Punkt. Hier wird nichts dem Zufall überlassen und schon lange nicht der guten oder schlechten Performance irgendeiner Kandidatin. Da wird durchgewunken oder `rausgeschmissen, was Zuschauerzahlen bringt.

Go See – das professionelle Wort für Fleischbeschau

Mit dem echten Leben als Model hat das alles rein gar nichts zu tun. Die werden in fremde Städte geschickt, in Wohnungen mit mehreren Stockbetten untergebracht, bekommen ihre Fotos unter den Arm geklemmt und rennen allein von einer „Fleischbeschau“ zur nächsten, den sogenannten „Go Sees“. Firmen, die sich mit Fotoproduktionen befassen, bekommen durchschnittlich drei bis vier E-Mails pro Tag von verschiedenen Modelagenturen. Alle preisen ihre „Neuzugänge“ an, bitten um Termine und unter lauter hübschen und manchmal sogar besonders hübschen Mädchen, kann man schon gar nicht mehr unterscheiden. Viele Mädchen werden nie über eine Buchung für den OTTO-Katalog hinaus kommen. Denen, die länger durchhalten, kann man nur wünschen, dass sie in ein halbwegs vernünftiges Leben zurückkehren können, wenn plötzlich niemand mehr Interesse an ihnen hat. Wie lange dieses Interesse in der Regel anhält, sehen wir jedes Jahr bei GNTM.

PS: Da die Produktionsfirma von Frau Klum sehr auf das Einhalten der Nutzungsrechte für GNTM-Fotos achtet, haben wir auf ein entsprechendes Titelbild verzichtet, um uns keine Abmahnung einzuhandeln . Zu sehen ist die typische Setcard-Auswahl vor einem Shooting – lizenzfrei.

Von Redaktion

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